Geschichte

Löbejün kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken. Über viele Jahrhunderte hinweg prägten Handwerk, Handel, Bergbau und das Leben seiner Bürger die Entwicklung der Stadt. Zahlreiche historische Bauwerke und bedeutende Ereignisse erzählen bis heute von dieser Vergangenheit. In unserer Zeittafel können Sie die wichtigsten Stationen der Löbejüner Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart entdecken.

Die Stadt Löbejün wird am 29. Juli 961 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Kaiser Otto I. verfügt , daß der Zehnt an das Benediktinerkloster St.Moritz in Magdeburg zu zahlen ist.

Über die Bedeutung des Namens gibt es verschiedene Vermutungen, deren Wahrheitsgehalt zu beurteilen wir Kennern überlassen. Hier seien nur zwei Vorschläge angeführt: Ferdinand Wilcke meint in seiner "Geschichte der Stadt Löbejün", der Name sei deutschen Ursprungs und als Läubechen zu verstehen, was soviel heißt wie Laubenhain, "eine Gegend, die reich an lieblichen Gebüsch, an Lauben und Laubhütten ist" (vgl. Wilcke, Geschichte der Stadt Löbejün, Kap.4). Andere führen Löbejün auf das Sorbische zurück. Man müsse es von L`ubochyni, also "Ort des L `uboch ableiten (vgl. Eichler, Ernst, in: Löbejün 1040 Jahre, S.6).

1460 - Hospital Tilemanus Rhode stiftet das Hospital zu Löbejün sowie die Kirche St. Cyriaci, nach welcher es benannt ist. Ein Auszug aus den "Statuta Hospitalis" (aus: Löbejün 1040 Jahre, S.7) von 1752 mag ein Bild vom Leben in der Gemeinschaft vermitteln:

6. Wenn auch einer den anderen schild, an seinen Ohren und guten " Leymuth", oder ihm sonsten etwas aufrüchte oder vorwirft, der soll desselben Tages ihm eine christliche Abbitte tun.
8. Wer im Zanck den anderen wundt schlüge, den soll man aus der Kammer und Brüderschaft und nach Verbrechen auch gar aus dem Hospital verweisen.
9. Es soll auch kein Bruder oder Schwester in die Bierzechen oder Häuser gehen, so ihm aber Bier benötigt wehre, mag er das selbige selbst holen oder holen lassen und wieder in seine Wohnung gehen, da ihm aber ein Drunck zwei oder drei gebote , soll ihm das erlaubt sein.

Ab 1463 erhält die Stadt das Recht, Bier zu brauen. Das Gebräu scheint sich lange großer Beliebtheit erfreut zu haben, doch leider brach die Tradition Mitte des 18. Jh. ab. Hören wir, was Chronist Dreyhaupt dazu zu sagen hat ( S. 812): "Vor einiger Zeit war das Löbegüner Bier in starckem Abgange, verdrunge den Wettinischen Keuterling, und wurde sehr starck nach Halle, Leipzig und andere Orte verfahren, ist aber wieder in Abgang geraten, und wird dessen wenig mehr verfahren."

Ab 1495 wird eine Stadtmauer aus Lehm gebaut, welche die vorher zum Schutz der Stadt dienenden Holzpalisaden ablöst. Das Bauwerk wird in den folgenden Jahren durch die Verwendung von Löbejüner Porphyr weiter befestigt. Die Stadt besaß vier Tore: das Plötzer – Tor, das Kochs – Tor, das Mühlen – Tor und das Hallesche Tor, das als einziges die Zeiten überdauert hat. Im Jahre 1992 wurde es aufwendig restauriert und dient heute als Heimatmuseum.

1502 wird das alte Rathaus errichtet. Eine Restaurierung erfolgt nach der Brandkatastrophe 1583. Im Jahre 1836 gelangt es in Privatbesitz.

1518 wird ein Steinbruch zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Hier wird der bekannte Löbejüner Porphyr gewonnen, der für vielerlei Zwecke Verwendung findet.(Siehe auch unter Löbejüner Porphyr)
 
1529 - Die Pest forderte auch in Löbejün viele Menschenleben. Im Jahre 1529 starben 282 Bürger. Die höchste Zahl an Opfern fällt in das Jahr 1566, da 650 Tote zu beklagen waren. Das letzte Mal wütete die Krankheit im Jahre 1682.

Am 17. Mai 1583 wird Löbejün von der größten Katastrophe seiner Geschichte heimgesucht. Die Kirche, der Glockenturm, das Rathaus, ein Brauhaus und 180 Wohnhäuser wurden binnen drei Stunden von den Flammen verzehrt. Der Täter konnte in Düben gefasst werden und starb den Feuertod.

1618 – 1648
Dreißigjähriger Krieg

"Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meißen hört man euch Herren nicht besonders preisen."

Friedrich Schiller spielt in seinem "Wallenstein" mit diesen Worten auf die Grausamkeit der plündernden und brandschatzenden Soldatenhorden an, die besonders in unseren Gefilden wüteten. Ob Schweden oder kaiserliche Truppen, die Stadt Löbejün litt unter Hunger, Grausamkeit und Zerstörung. In der Dreyhauptschen Chronik wird ein Überfall schwedischer Soldaten in beklemmender Anschaulichkeit geschildert: "Dasselbige Jahr (1642) hat eine schwedische Parthey [...] das Städtlein feindlich angefallen, daher die Bürger [...] sich mit Weib und Kind in die Kirche und auf den Kirchthurm retirieret [...] und sich aus der Kirche gewehret. Die Reuter haben denselben stark zugesetzt, und zwei Bürger aud dem Turme erschossen, doch sind etliche von ihnen ebenfalls geblieben, auch einer, der am Chor durch ein Fenster in die Kirche steigen wollen, von einem Bürger mit einer Heu – Gabel ins Gesicht gestochen worden , daß er zurück gefallen und todt geblieben..." Auch nach Ende des Krieges lagern noch feindliche Abteilungen in der Stadt, und es herrscht große Armut.

Carl Loewe, der Meister der Ballade und berühmtester Sohn der Stadt wird geboren. Für nähere Informationen über diesen charaktervollen Künstler verweisen wir auf die Internationale Carl – Loewe – Gesellschaft e.V.

1849 
Nachdem man erkannt hatte, wie man durch industrielle Vorgänge aus der Zuckerrübe Zucker gewinnt, was bisher nur durch die Verwertung des westindischen Zuckerrohrs vonstatten gegangen war, entstand in Deutschland ein wichtiger Produktionszweig der durch Dampfmaschinen betriebenen Zuckerfabriken. Und so gründete eine Gesellschaft von Ökonomen aus Löbejün und den umliegenden Orten im Jahre 1849 die Zuckerfabrik von Gottgau.

1852
Man errichtet ein neues Schützenhaus, welches später das Volkshaus sein wird.

1879
Wird die Freiwillige Feuerwehr zu Löbejün gegründet, deren Geschichte bis auf den heutigen Tag anhält. Das erste Statut datiert auf das Jahr 1909. Nachdem man die Brände mit zwei Fuhrwerken, einem für die Spritze und einem für die Mannschaft, bekämpft hatte, hielten in den 30iger Jahren des 20. Jh. neue Technologien in Form der Motorspritze "Goliath" und einem Personenkraftwagen der Marke Opel Einzug. 1960 werden die Löbejüner und die Schlettauer Feuerwehr vereinigt, 1975 wird das neue Feuerwehrhaus in der Marktstraße eingeweiht, 1995 kommt ein neues Gerätehaus hinzu, welches sich am "Stadtgut" befindet.

1888
Die "Fuhnetalzeitung" erscheint erstmalig.

1896
Es wird zum 100. Geburtstag Carl Loewes ein von Prof. Schaper aus Berlin entworfenes Denkmal aus Bronze errichtet, dem eine wechselvolle Geschichte beschieden war. In den Wirren des Krieges wurde es im Jahre 1942 von den Nazis eingeschmolzen. Durch glückliche Fügung jedoch hatte der Steinmetzmeister Priebs vorher einen Abguss gefertigt und eine nach diesem gearbeitete Büste auf dem Markt aufgestellt. Bevor diese gänzlich verfiel, schuf man aus dem einheimischen Porphyr ein mit dem alten Vorbild identische Büste, die am 9. Juni 1947 ihren Platz fand.

1963
1000 Jahre Löbejün
Die Stadt feiert ein großes Fest zu ihrem 1000 – jährigen Bestehen. Dieses Ereignis wird mit der Herausgabe einer Chronik gewürdigt.

18. Juli 1900
Auf der Strecke Nauendorf – Löbejün – Gottgau – Gröbzig wird der Personenverkehr mit der Privateisenbahn gewährleistet. Auch der Güterverkehr entwickelt sich, vor allem bedingt durch die Porphyrindustrie. Die letzte Beförderung von Personen findet im Jahre 1963 statt. Nachdem die BHG, die Zuckerfabrik in Gottgau und das Betonwerk in Plötz stillgelegt waren, fand auch der Gütertransport auf der Strecke Löbejün – Gottgau – Plötz sein Ende. Heute werden auf der Strecke von Löbejün nach Nauendorf gelegentlich noch Schotter und Kies transportiert.

1921
Durch die Inflation gezwungen gaben der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung seit 1918 Notgeld heraus. 1921 erreichte die Krise ihren Höhepunkt: Den ständigen Preissteigerungen und wachsenden Abgaben an den Kreis versuchte die Stadtverwaltung durch Einführung von Steuern zu begegnen (z.B. Besteuerung von Klavieren und Grammophonen, Steuer für Mineralwasser, Spielkartensteuer usw.). Nachdem diese Maßnahme jedoch zum größten Teil abgelehnt wurde, erklärte der Magistrat die Zahlungsunfähigkeit – Löbejün war bankrott. Dieses Geschehnis findet Ausdruck in den darauf verbreiteten Geldscheinen, dem sogenannten "bankrotter Löbejüner".

1932
erhält Löbejün den Anschluss an eine Autobuslinie, welche über die Orte Halle, Nauendorf, Löbejün nach Köthen führt.

Am 14. April 1945
marschieren die Amerikaner  in die Stadt ein. Am 2. Juli folgt die Rote Armee, welche die Verwaltungshoheit übernimmt.

10. Mai 1955
Das Schalmeienorchester wird gegründet. Die Tradition ist bis heute ungebrochen und man erringt sowohl auf Landesebene als auch international beachtliche Erfolge. Die Teilnahme an der "Steubenparade" in New York und Philadelphia darf wohl als bisheriger Höhepunkt gelten

25./26. Juni 1955
Zum Anlass des 150. Todestag Friedrich Schillers wird dem Dichter ein Denkmal errichtet. Es soll an die Einheit des deutschen Volkes mahnen. Der Spruch "Wir sind ein Volk und einig woll´n wir handeln" erlangte am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts von neuem eine ungeahnte Aktualität.

9. August 1955
Der Neubau der katholischen Kirche St. Joseph wird in Angriff genommen. Das Richtfest wird am 18. August 1956 gefeiert, die Glocke wird am 20. Oktober geweiht.

Hilfe zur Seite Geschichte

Auf unserer Webseite werden Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung verwendet. Wenn Sie weiter auf diesen Seiten surfen, erklären Sie sich damit einverstanden.