Geschichte

Wettin - Wiege deutscher Geschichte

Schon seit Urzeiten siedelten Menschen im Saalegebiet. Der Fluss gab ihnen Nahrung und diente als Verkehrsmittel.

Bekannt wurde Wettin durch ein seit dem Mittelalter bestimmendes Herrscherhaus, das den Namen der Stadt angenommen und in ganz Europa verbreitet hat.


Über folgenden Link können Sie mehr über die berühmte Familie erfahren. www.haus-wettin.de 

Auch heute thront stolz die Stammburg der Wettiner über dem Saaletal. Sie beherbergt ein Gymnasium mit Kunstzweig. www.burg-gymnasiumwettin.de 

Auszug aus der Chronik (Frank Dobberstein / Wettiner Stadtgeschichte(n) von Bürger Brauern und Bergleuten)

- gegen 800 Gründung einer sorbischen Wallburg

- 961 - Erstnennung der Burg und des Burgwardes "Vidin"

- 1124/25 Graf Konrad von Wettin wird Markgraf von Meißen

- ca. 1250 Gründung einer Kommende des Templerordens in Mücheln

- 1288 erste Nennung der Stadt Wettin

- 1303 erste Erwähnung der Stadttore

- 1393 erste Erwähnung der Fähre

- 1427 Zerstörung Wettins durch hallesche Streitmacht

- 1456 urkundlicher Hinweis auf den Wettiner Steinkohlebergbau

- 1618 erste Erwähnung der Stadtschule

Seit dem 6. Jh. n. Chr. siedelten sich östlich der Saale slawische Stämme (Sorben) an. Aus dem Sorbischen kommt auch der jetzige Name „Wettin.“ Die Sorben erweiterten die Zufluchtsstätte zu einer Grenz- und Schutzburg gegen die Franken, die seit der 1. Hälfte des 8. Jh. ihren Einfluss im sächsisch-thüringischen Bereich verstärkten.

Unter Kaiser Karl dem Großen geriet dieses Gebiet endgültig unter den fränkischen Machtbereich. Entlang der Saale errichteten die Franken Grenzburgen (Magdeburg, Rothenburg, Bernburg). Da sich auf der Wettiner Seite der Saale eine Reihe von slawischen Burgen befanden, lässt sich vermuten, dass der günstig gelegene Felsrücken als slawische Schutzeinrichtung diente.

1156 legte Konrad I. alle seine Ämter nieder und trat ins Kloster ein, zuvor hatte er noch seine Lehen und Allodien rechtswirksam unter seinen 5 Söhnen verteilt. 1157 ist er im Alter von 59 Jahren verstorben und in der Mitte der Klosterkirche auf dem Petersberg neben seiner Gemahlin bestattet. Nach Konrads Tod wechselten die Besitzer der Burg häufig und jeder nahm bauliche Veränderungen vor.

So fiel nach dem Tode Otto des IV. die Burg an das Erzstift Magdeburg, welches sie bewirtschaften ließ. Die Oberburg teilte sich das Schraplausche und das Trothasche Lehen. Die Unterburg wurde im Jahre 1441 verkauft, der Saaleflügel an die Familie von Ammendorf, die Häuser auf der Stadtseite erwarb die Familie Aus dem Winkel. Die Familie von Ammendorf verzog nach Rothenburg.

Nun bewohnten und bewirtschafteten die Aus dem Winkel in mehreren Generationen die Burg. Sie ließen 1606 den Winkelturm im Renaissancestil errichten und legten zwischen Ober- und Unterburg einen Lustgarten mit Orangerie an, welcher dann 1873 abgerissen wurde.

Auszug aus der Chronologie zur Geschichte des Wettiner Bergbaus (Quelle - Glück auf! Broschüre / R. Thomas)

1382 Am Stadtrand von Wettin wird Steinkohle entdeckt

1466 Auf der Suche nach Kupferschiefer wird die Steinkohle wiederentdeckt

1695 Wettin bekommt ein Bergamt bis 1740 - erste Blütezeit des Steinkohlebergbaus (ca. 500 Bergleute arbeiteten in 20 Gruben)

1816 die erste Dampfmaschine wird auf dem Juliusschacht aufgestellt

1850 - 1872 zweite Blütezeit des Wettiner Steinkohlebergbaus

1893 wird der Bergbau eingestellt

Unter Prinz Louis-Ferdinand, dem die Burg von 1803-1806 gehörte, wurden viele Verschönerungen vorgenommen, wovon heute leider nur noch der schöne Uhrenerker am Stadtflügel zu sehen ist. Als dann die Burg an die preußische Krone zurückfällt, wird sie entgegen ihrer Bedeutung verwaltet. Die Oberburg wurde Domäne und im Stadtflügel der Unterburg richtete man eine Brauerei, Brennerei, Malzdarre, Torfhaus und Unterkünfte für Gastarbeiter ein.

1912 versuchte Prof. Dr. Freiherr von Weißenbach das Interesse des Wettiner Fürstenhauses für eine Restaurierung der Burg zu wecken, was aber sein früher Tod verhinderte. 1926 gründete sich die Bau- und Verwaltungsgesellschaft der Burg Wettin, zu der sich der thüringisch-sächsische Geschichtsverein, der Königin-Louise-Bund, der Großdeutsche Jugendbund u.a. zusammenfanden.

Den Nationalsozialisten diente sie ab 1933 als Gauparteischule. Heute beherbergt sie das Burggymnasium. Die Wettiner prägten eine mitteldeutsche Kulturlandschaft und hinterließen ihre Spuren in ganz Europa. Das Wettiner Territorium war zu seiner Zeit eines der mächtigsten Fürstentümer in Deutschland und ermöglichte Luther die Reformation. Es hielt schützend die Hand über ihn, so dass dieser seine Arbeit verrichten konnte.

Den Reichtum verdankten die Wettiner den Bergleuten des Erzgebirges, sie holten für sie das Silber aus dem Berg. Der letzte König von Sachsen, Friedrich August der III., dankte 1918 ab. Das Wettiner Fürstengeschlecht regierte 829 Jahre in ununterbrochener Reihenfolge.

Schäferstadt Wettin Wettin - die Burg und Bergstadt - das ist eine Aussage, die allen Wettinern als Werbeslogan und nicht durch den einst gebräuchlichen Poststempel geläufig ist. Aber Schäferstadt Wettin? Woher könnte man die Berechtigung für eine derartige Beifügung nehmen? Vielleicht, weil auf den Bergen die Schafe weiden oder in der Burg Schäfer ausgebildet wurden? Damit kommen wir dem Attribut Schäferstadt schon sehr nahe. Zumindest berechtigt ein zwar kurzer Zeitraum in Wettins mehr als tausendjähriger Geschichte, die Zeit zwischen 1955 bis 1991, zu der Bezeichnung Schäferstadt Wettin. In dieser Zeit befand sich in Wettin zunächst die Zentrale Berufsschule für Schäfer; aus der ab 1964 die Spezialschule für Schäfer hervorging. Es war die einzige Schule mit derartiger Spezialausbildung in der DDR. Nicht von ungefähr wurde Wettin für eine solche zentrale Schäferausbildung ausgewählt.

Günstig für die Schäferstadt Wettin, die sie durch Errichtung einer Spezialschule für Schäfer werden konnte, waren mehrere Ursachen:

die natürlichen Voraussetzungen
die Umgestaltung der Landwirtschaft, aus Neubauern wurden Kollektivbauern
die Flächenzusammenlegung mit Gründung der LPG und des VEG Tierzucht
die Ausbildungsstätte Burg als landwirtschaftliche Berufschule
die Nähe der Universität Halle und wissenschaftlicher Forschung
und nicht zuletzt staatliche Vorgaben mit dem Ziel der Zentralisierung von Bildungseinrichtungen in Splitterberufen

Nur durch das Zusammenwirken vieler Faktoren war es möglich, zielstrebig die Idee der Schäferschule zu verfolgen. Diese Zielstrebigkeit zeichnete das Berufschullehrerehepaar Brudny aus. Der Lehrer Brudny hatte den Schäfermeister Herda auf Wettiner Fluren mit der Herde beobachtet. Sofort fiel ihm der ruhige Umgang mit den Schafen und Hunden im Hütegeschehen auf. Da andererseits Bestrebungen wegen einer Spezialisierung der Berufsschule im Gange waren, beantragte er bei den übergeordneten Instanzen eine derartige Spezialisierung zur Berufschule für Schäfer. Aus der einstigen Berufschule für Landwirtschaft wurde 1955 die Zentrale Berufsschule für Schäfer, Frau Brudny war die erste Direktorin. Da die Schäferschüler immer bei der Herde sein mussten, waren Internatsplätze zu schaffen. Es gab sich die Organisation des Lehrplans in der Form, dass vormittags Theorie in 14 Fächern auf der Burg gelehrt wurde, nachmittags war Praxis in Mücheln. Der staatliche Tierzuchtbetrieb Wettin hatte Stallmöglichkeiten für die Schafe in Mücheln geschaffen. Herr Herda übernahm die Stelle des Schäfermeisters beim Tierzuchtbetrieb, aus dem 1958 das Volkseigene Gut hervorging. Damit waren die Voraussetzungen zur ganzjährigen Herdenhaltung geschaffen und der Schäfermeister konnte intensiver Zucht beginnen. Aufgrund der züchterischen Leistungen und Erfolge wiederum, bot sich eine ständige Zusammenarbeit mit der Schäferschule an.

Nach der Wende wurde die Spezialschule für Schäfer 1991 in Wettin aufgelöst. Unbegreifliches geschah mit den Eliteschafen, sie wurden hauptsächlich geschlachtet. Viele Schäfermeister konnten und können dies überhaupt nicht verkraften. In der Zeit nach 1991 wurde auf Wollschafe keinerlei Wert gelegt, dennoch ist Schafhaltung auf den Wettiner Fluren notwendig, ja sie wird staatlich gefördert, denn der Erhalt der artenreichen Trockenrasenflora ist nur durch Hütung gesichert. Wenn dann in einer Bauernzeitung von 1967 zum Thema Schäferstündchen der prophetische Satz zu lesen ist: “Die Schäfer sterben nicht aus, auch nicht im Jahre Zweitausend“ dann ist dies mit Sicherheit richtig. Aber eine Schäferstadt Wettin gibt es im Jahre 2000 nicht mehr.

(Ein Auszug aus der Chronik der Stadt Wettin von Inge Lunau, Mitarbeit Herr Herda, Herr Kirschnik)

Jetzt werden die Schäfer in der BBS "Carl Wentzel" Saalekreis ausgebildet .

Anfang der 50-er Jahre zog die Finanzwirtschaftsschule für Landwirte in die Unterburg ein.
Infos von Frau Heide Gaube (1957-58) Schülerin der Spezialschule für Buchhalter (130 Schüler im Jahrgang)
- Herr Pfaff - Lehrer für Buchhaltung
- Frau Lämmchen - Sekretärin

Beliebt waren Treffen mit der Ortsjugend an der Burgmauer und die Schiffschaukeln an der Saale.

 

Die Fachschule für Pflanzenschutz wurde Anfang der 50er Jahre gegründet.

Zunächst befand sie sich ausschließlich in Halle.

1963 zog ein Teil der Schule nach Wettin um. Das heißt: das erste Studienjahr wurde in Halle im Stammhaus Straße der DSF 30 ausgebildet und das 2. und 3. Studienjahr auf der Wettiner Unterburg.

1965 begann man mit dem Bau zusätzlicher Internats- und Unterrichtsräume im Bereich des Petersgarten (die inzwischen teilweise wieder abgetragen wurden).

1968 / 69 wurde die Fachschule für Pflanzenschutz in eine Ingenieurschule für Agrochemie und Pflanzenschutz umgewandelt.

1970 konnte die Schule um ein Techniklabor im Bereich der Mittelburg (heute Kunsttrakt) erweitert werden. In dieser Zeit ist auch aus dem Kohlenkeller die Turnhalle entstanden.

Pro Jahrgang bildeten ca. 40 Lehrer ca. 100 Studenten im Direktstudium, 50 Studenten im Fernstudium und Agrarpiloten im Bereich Pflanzenschutz und Düngung aus.

An dieser Stelle möchte ich Herrn H. Linke für die Zuarbeit der Daten danken.
Wenn Sie, liebe ehemalige Lehrer oder Studenten Ergänzungen zu den Schulen in Wettin haben, nehmen wir diese gern entgegen.

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